Fachbereich 6 Mathematik/Informatik

Institut für Informatik


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Der Alltag an einem Institut wird geprägt durch das Miteinander von Professoren, wiss. Mitarbeitern, nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden. Typische Vertreter dieser vier Statusgruppen werden in dem Buch "Promoviren" von Thomas Heuser beschrieben:

 

Der Professor

Fixpunkt eines jeden Lehrstuhls, um den alle anderen Akteure satellitenartig kreisen, ist der Professor. Versuchen wir ihn zu skizzieren. Der Professor weiß alles. Ihm ist nichts fremd. Selbst über die Dinge, über die er nie zuvor gehört hat, vermag er endlose Monologe von ebenso epischer Breite wie wissenschaftlicher Tiefe vorzutragen. Ständig versucht er, alles, was ihm über den Weg läuft, zu "systematisieren". Er gibt sich erst dann zufrieden, wenn die Vielfalt der Welt bis in kleinste Verästelungen geordnet ist. Jeder Studierende weiß, dass der ihm eigene Ordnungssinn, gepaart mit intuitiver pädagogischer Allkompetenz, es ihm erlaubt, scheinbare Petitessen in den Rang mehrstündiger Lehrvorträge zu erheben.

Ein Professor wächst meist gut behütet vor den grausamen Anfechtungen der Praxis auf. Die reservatartigen Lebensbedingungen des Beamtenstatus, die Entfaltungsmöglichkeiten bieten, wie sie sonst nur vom Aussterben bedrohte Tierarten genießen, verleihen dem Professor die Aura unantastbarer Würde und prägen nicht selten seinen Charakter. Jedermann ist ihm wohlgesonnen. Dass ihm untergebene Sekretariat ebenso wie der ihm ergebene wissenschaftliche Mittelbau. Sein einziger Vorgesetzter ist ein Minister, der im Zweifel andere Sorgen hat, als eine inhomogen Schar von Professoren seines Bundeslandes im Zaum zu halten. Außerdem kann ein Minister schon morgen zum Rücktritt gezwungen sein - ein Umstand, den ein Professor nicht zu befürchten hat. Das weiß auch der Professor und freut sich darob insgeheim. Sein einziger wirklicher Gegner ist neben den ihm verhassten Praktikern - er selbst in Gestalt anderer Professoren, die oft der gleichen Fakultät angehören. Hin und wieder drängt es ihn in kleine fachbereichsinterne Scharmützel zu ziehen. Es geht dabei vor allem um Fragen der Hackordnung. Diese Gebärden halten ihn jung. Es gilt seit langem als bekannt, dass Professoren deutlich gesünder sind und älter werden und zeitlebens vitaler wirken als ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt. Dies ist allein der erfrischenden Fachbereichsarbeit zuzuschreiben. Die stolz zur Schau gestellte Vitalität drängt die durch intensive nächtliche Forschung ständig übermüdeten Doktoranden in tiefe Depression.

Zusammenfassend kann die Rolle des Professors durch die Begriffe Würde, Wissen und Vitalität charakterisiert werden. Die dadurch entstehende Kluft zu den Doktoranden gilt als kaum überbrückbar.

 

Die Sekretärin

Das Sekretariat wird in der Regel durch ein Wesen von himmlischer Güte vertreten, der sogenannten Sekretärin. Die Sekretärin ist dafür zuständig, Licht in das von Frustration überschattete Leben des Doktoranden zu bringen. Sie versteht sich als Mutter aller Doktoranden. Wie jede Mutter ist sie ständig um das geistige, seelische und körperliche Wohlbefinden ihrer Zöglinge bemüht. Im günstigsten Fall beglückt sie den Kreis der Doktoranden fast täglich mit selbstlosen Spenden von Kuchen, Obst, Gebäck und Druckwerken der Tagespresse, die zu Beginn der Frühstückspause gerecht unter allen Doktoranden aufgeteilt werden. Nicht selten erheitert sie die frohe Runde mit dem Verlesen von Schlagzeilen. Das trainiert die in den Sport- oder Wirtschaftsteil vertieften Kollegen im gleichzeitigen Aufnehmen und Verarbeiten verschiedenster Informationen. So bleibt der Doktorand bis ins höchste Dienstalter geistig sehr rege.

 

Die studentische Hilfskraft

Studentische Hilfskräfte gelten als elitäre Teilmenge der gemeinen Studentenschaft. Sorgsam ausgewählt aus den prall gefüllten Hörsälen unserer Zeit werden Ihnen zu Rekrutierungszwecken schon während ihres Studiums wirtschaftswunderähnliche Jahre an fetten Trögen universitärer Lehre und Forschung in Aussicht gestellt. Solche Verlockungen erweisen sich allerdings bald als irrig. Der Preis für derart strahlende Träume besteht darin, gegen bescheidene Entlohnung der untersten Kaste akademischer Forschung und Lehre beizutreten, die allerlei Anfechtungen zu ertragen hat. Charakterlich weniger gereifte Doktoranden machen sich gern einen Spaß daraus, junge Hilfskräfte 3000 Lehrstuhlbriefbögen mit veralteten Telefonnummern einzeln in den Reißwolf stecken zu lassen. Zeigt der nicht mehr enthusiastische Jungmitarbeiter nach einigen Stunden erste Ermüdungserscheinungen, wird zur Aufmunterung gerne auf die Tragweite dieser Aufgabe unter Datenschutzaspekten verwiesen. Von solchen Gefügigkeitstests ist dringend abzuraten. Merke: studentische Hilfskräfte sind Larven, aus denen später selbst Doktoranden werden können.

 

Der Doktorand

Frisch als wissenschaftlicher Mitarbeiter vereidigt, verfügt jeder Doktorand über unglaublichen Elan. Allmorgendlich um sechs klingelt der Wecker, um schon vor dem Frühstück in interessanten wissenschaftlichen Monographien schmökern zu können. Der ganze Tag ist ausgefüllt von effizienter, zielgerichtete Arbeit. In jeder freien Minute wird die Forschung gedanklich vorangetrieben. Erst in tiefer Nacht wird die Fachliteratur aus der Hand gelegt und der Doktorand sinkt in erholsamen, gerechten Schlaf.

Nach etwa einem Jahr kommt es zu signifikanten Verhaltensänderungen. Die Dynamik der Anfangstage hat noch immer keine Früchte getragen und zu einer gewissen wissenschaftlichen Verdrossenheit geführt. In diesem Zustand beginnt der Doktorand, sich zu entspannen. Statt sich mit allzu frühem Aufstehen aufzureiben, versucht er in stärkerem Umfang, Muße zu tun. Eine intensive Hinwendung zu diversen Freizeitaktivitäten beginnt. Ein neuer Kumpan begleitet Promovenden von nun an bis zum Tage der Einreichung ihrer Dissertationen: der Innere Schweinehund. Klingelt am Samstagmorgen um neun der Wecker, weil auf dem Schreibtisch 27 Fachaufsätze liegen und durchgearbeitet werden wollen, drückt der Promovend gern die Schlummertaste, weil der Innere Schweinehund, ein Promotionsfeind erster Güte, dies unter Androhung von Lustlosigkeit nahelegt. Um elf wird der Wecker ganz ausgeschaltet oder unter Kissen begraben. Der Innere Schweinehund liegt jetzt nach Punkten klar vorne. Um eins hat er endgültig gesiegt: der Promovend fährt zum Baggersee, der Tag ist für die Forschung verloren. Es bleibt nur die Hoffnung auf den nächsten Morgen, wenn die Karten neu gemischt werden.