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Presse |
Westfälische Nachrichten (Münster) vom 17.09.2002Der exotische „Weg der Energie“Über den Bewegungssport Kinomichi Mit ihrer linken Handflache berührt Birgit Scholz-Heuckmann die Hand ihrer Partnerin. Die Augen geschlossen, stehen sich beide gegenüber und führen ihre Körper nur mit Hilfe dessen, was sie in ihren Handflächen spüren. Wie bei langsamen Tanzbewegungen gleiten ihre Körper über die olivgrünen Matten des Übungsraumes. "Entscheidend ist das, was ihr von euch und anderen spürt", sagt Andreas Lange-Böhm. Vor 15 Jahren hat der Berliner Arzt Kinomichi für sich entdeckt, 1987 eröffnete er die erste Kinomichi-Schule Deutschlands in der Hauptstadt. Kinomichi ist schneller und kommunikativer als Yoga und zugleich weit weniger aggressiv als der japanische Kampfsport Aikido, worin Kinomichi seinen Wurzeln hat. „Es geht hier um konstruktive Bewegung, nicht um destruktive Bewegung wie bei vielen Kampfsportarten“, erklärt Lange-Böhm. Beim Kinomichi könnten die Teilnehmer ihre innere Lebenskraft neu entfalten, könnten sich und, andere besser wahrnehmen. Wer Kinomichi betreibt, darf den Kontakt zu anderen Menschen nicht scheuen. Rund 20 Jahre nach seiner Erfindung durch den Japaner Masamichi Noro besitzt Kinomichi noch immer den Duft des Exotischen: Etwa l00 Aktive begeistern sich in der gesamten Republik für den asiatischen Bewegungssport. Vor zwölf Jahren brachte Viele Chavillié-Thewes Kinomichi nach Münster. Auch Birgit Scholz-Heuckmann findet Gefallen am „Weg der Energie“, was Kinomichi frei übersetzt bedeutet. Ursprünglich machte die Bewegungstherapeutin Aikido, wechselte dann zum Kinomichi. "Der Kampfaspekt fällt weg, begründet sie ihre Entscheidung. Die sportlichen Wurzeln von Viola Chavillié Thewes liegen ebenfalls im Aikido - und auch sie hat den Wechsel nach zehn Jahren nicht bereut. „Beim Aikido hatte ich ganz viel Angst, mir weh zu tun“, erzählt sie. Fest glaubt sie daran, mit Kinomichi ein anderer, ausgeglichenerer Mensch geworden zu sein. „Ich spüre jetzt eine andere Energie in mir. Durch Kinomichi bin ich auch in meinem Beruf zufriedener geworden.“ Gerade darin sieht Andreas Lange-Böhm eine der großen Chancen dieses Sportes. „Kinomichi ist vor dem Hintergrund unserer Leistungsgesellschaft wichtiger als noch vor 20 Jahren“, sagt Lange-Böhm. Die verstärkte Wahrnehmung der eigenen Person und der Mitmenschen sei ein optimaler Ausgleich zur Ellenbogenmentalität unserer Gesellschaft, glaubt er. Noch etwas macht ihn und Viola Chavillié-Thewes hoffnungsvoll: dass Kinomichi der Bewegungssport des 21. Jahrhunderts werden könnte: „Kinomichi ist für jedes Alter geeignet“, sagt Chavillié-Thewes. Das älteste Mitglied in Münster ist 62 Jahre alt. Woanders gebe es 80-Jährige, die diesen Sport noch betreiben, erzählen beide. „Das Tolle ist, dass auch Ältere entdecken können, noch dynamische Bewegungen machen zu können“, erzählt Lange-Böhm. Das wöchentliche Kinomichi-Training findet in Münster jeweils montags und mittwochs von 18.30 bis 20.30 Uhr an der Bremer Straße 42, 2. Stock, statt. Am 27. September (Freitag) wird der Kinomichi-Verein die Eröffnung einer Bilder-Ausstellung von Christa Rosenthal und Astrid Elmendorf im Schloss begleiten. Beginn ist um 16 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 10. Januar 2003 montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Dirk Brunsmann
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